Pressemitteilung

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11.07.2005

Bei Veltins arbeitet rekordverdächtige Hängebahn

Schluss mit Flaschen-Wirrwarr: Mehrwegkästen werden bei Veltins per Gondel zur Ordnung gerufen

  • Leergutsortierung künftig problemlos machbar
  • Projekt setzt neue Standards im Anlagenbau
  • Bauerei C. & A. Veltins erhält Know-how-Vorsprung


Für die Brauerei C. & A. Veltins ist das Sortierproblem von Leergut Vergangenheit. In diesen Wochen geht nach achtmonatiger Bauzeit und einer Investition von 20 Millionen Euro am Standort Grevenstein ein neues vollautomatisches Sortierzentrum in Betrieb.

Fortan wird innerhalb des Mehrwegkreislaufes ein zusätzlicher Produktionsschritt eingefügt: Sämtliches durchmischtes Leergut der zurücklaufenden Mehrwegkästen wird entnommen, geprüft und anschließend sortenrein für die Abfüllung bereitgestellt. „Damit haben wir die Mehrwegproduktion zukunftsfähig gemacht“, sagt Michael Huber, Generalbevollmächtigter der Brauerei C. & A. Veltins, die zugleich 35 Arbeitsplätze schuf. So wird jede Flaschenleergutpalette über die neue Anlage laufen – die Brauerei C. & A. Veltins erreicht einen deutlichen Know-how-Vorsprung.

Klare Aufgabenteilung mit dem Getränkefachgroßhandel


Mit der Fertigstellung der Sortieranlage sind die Weichen für die Zukunft gestellt: Der Getränkefachgroßhandel konzentriert sich auf die angestammte Sortierung der Mehrwegkästen, die Brauerei C. & A. Veltins übernimmt die produktionsgerechte Bereitstellung des Mehrwegleergutes. Am Standort Grevenstein kündet die neue, immerhin 250 Meter lange bergwärts führende Palettenhängebahn, die die Flaschensortierung mit dem am Fuß des Berges gelegenen Logistikzentrum verbindet, von dem Investitionsprojekt. „Das Prinzip ist einfach: Die Anlage funktioniert wie ein Sessellift für Paletten mit Mehrwegkästen“, sagt Technik-Geschäftsführer Walter Bauer. Bereits im Logistikzentrum wird jede Palette zunächst auf eine Gebäudehöhe von 27 Metern gehievt. Von dort wandert sie auf die Gondel der sogenannten Einschienenhängebahn und wird bergauf befördert – ein weiterer Höhenunterschied von 25 Metern muss bewältigt werden. Jedes Fahrwerk bewegt mühelos ein Transportgewicht von über einer Tonne nach oben – die Steigung von über 12 Prozent war für die engagierten Konstrukteure eine Herausforderung. Und gerade deshalb ist das Projekt im Rahmen der 20 Mio. Euro-Investition in die Standorterweiterung auch in bautechnischer Hinsicht sogar rekordverdächtig.

Vier Millionen Flaschen können pro Tag sortiert werden

Damit nicht genug. Die sich anschließende Flaschensortierung in einem Hallenneubau wird ein völliges Novum in der deutschen Brauindustrie sein, für die Brauerei C. & A. Veltins bedeutet sie Standortsicherung und Garantie von zusätzlicher Wettbewerbsfähigkeit zugleich. „Es ist die Weichenstellung fürs nächste Jahrzehnt, weil sich der Mehrwegmarkt in den letzten Jahren völlig verändert hat“, so Michael Huber. „Wir mussten eine Lösung finden, um die Leistungsfähigkeit in der Produktion zu erhalten.“ Zwei Anlagen übernehmen gebindespezifisch die mühevolle Arbeit, jede der Maschinen kann pro Stunde vollautomatisch 3.000 Bierkästen sortieren. Rund um die Uhr werden so Tag für Tag über drei Millionen Flaschen bewegt. Aus jedem entpalettierten Mehrwegkasten werden sämtliche Flaschen entnommen, auf ihre nutzbare Form hin geprüft und dann wieder in den Mehrwegkasten eingesetzt. Fremdflaschen werden aussortiert, Einwegflaschen dem Altglasrecycling zugeführt. Als reinsortierte Palette gelangen die Mehrwegkästen dann in die Abfüllung. Die Einzelflaschenerkennung erfolgt über zehn Kamerasysteme, die die Mehrweggebinde anhand der Glasfarben, Kontur und Abmessungen visuell „abtasten“. Alle Flaschentypen wurden zuvor mit allen relevanten Daten im System eingegeben.

Sortierdilemma durch Zwangsbepfandung verschärft


Bereit seit Ende der 90er-Jahre war das Sortierdilemma absehbar: Immer mehr Individualgebinde – von der Klarglasflasche bis zur wiedererwachten Bügelverschlussflasche – gelangten in den Mehrwegkreislauf und führten zur Durchmischung der wenigen Einheitsgebinde. Hinzu kam das Auslaufen der angestammten Vichy- und NRW-Flasche und der Verstoß mehrerer Anbieter, mit der Longneckflasche in die Offensive zu gehen. Mit der Zwangsbepfandung spitzte sich die Situation weiter zu: Durch die enorme Nachfrage nach Six-Packs gelangten Einzelflaschen unsortierter denn je in die Brauerei zurück. Heute sind nach Angaben der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei (VLB) in Berlin etwa 50 unterschiedliche Mehrwegflaschen deutscher Unternehmen im nationalen Kreislauf unterwegs. Doch das Problem ist weitaus größer: „Wir haben pro Schicht bis zu 70 verschiedene Formen registriert, darunter viele Einwegflaschen und ausländische Gebinde“, erläuterte Walter Bauer. Mit dem neuen Produktionsbereich wurde mit technologischer Innovationskraft diese marktgeprägte Hürde genommen.